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eingestellt am22.10.2019
Windradgeburtstag in Wustrow
Dem anstehenden Geburtstag war eine Zusammenkunft gewidmet, die am Mittwoch, dem 2. Oktober, im Wustrower Haus des Gastes auf so großes Interesse stieß, dass die Stühle knapp wurden. Damalige Akteure und Zeitzeugen blickten zurück und nach vorn, die zahlreich gestellten Fragen zeugten vom großen Interesse des Publikums. Hier konnte man die Probleme der notwendigen Energiewende mit Händen fassen. Ein AK8-Farbfilm, den Herr Felsch damals gedreht hatte und der ihn nun zeigte, versetzte alle zurück in den Oktober 1989. Das Fundament war fertig, zwei Kräne montierten den Gittermast, die Gondel und die Rotoren, verschraubt wurde alles von Hand. Über die Entstehungsgeschichte berichtete Dr. Beel, der damals eigentlich beim Holzhandel in Rostock Energie für die Holztrocknung brauchte, dabei auf die Windenergie kam, dort aber keine Baugenehmigung bekam, nun aber das Projekt weiterverfolgte, einen anderen Standort suchte und ihn vor Wustrow fand. Er ist heute noch Eigentümer des Windrades. Das war damals absolutes Neuland, auch international. Theoretisch beschäftigte sich Herr Jörn mit diesem Thema. Den holte er mit ins Boot. Ein eigenständiger Bau war nicht durchsetzbar. Es kam zu Kontakten mit VESTAS, einem dänischen Anbieter, der seit 1980 derartige Anlagen in Serie produziert und heute nach Umsatz und installierter Kapazität zu den weltgrößten Herstellern von Windkraftanlagen gehört. Steen Christensen, der dänische Partner der Wustrower Windraderbauer, berichtete manch interessantes Detail über die Zusammenarbeit. Bis zum Bau der Anlage waren insgesamt 32 Stempel notwendig, DDR-Bürokratie. Im Energieministerium der DDR war Dr. Sandlaß der zuständige Ansprechpartner. Er berichtete von Überlegungen zur nachhaltigen regenerativen Energieversorgung, die noch in der letzten Sitzung des DDR-Ministerrates unter Stoph 1989 in einem Beschluss verabschiedet wurden, dessen Lebenszeit dann aber von den kommenden Ereignissen überrollt wurde. Der abschließende Teil war den Problemen der Stromspeicherung gewidmet, worüber Prof. Dr. Lehmann berichtete. Da volatiler Strom nur dann wirklich brauchbar ist, wenn mit seiner Erzeugung eine Stromspeicherung einhergeht, die seine Schwankungen auszugleichen vermag, sind die Suche und Erprobung neuer Speichermedien wichtig. Dafür bietet sich z.B. Wasserstoff an. Prof. Dr. Lehmann hat darüber in Wustrow und in Stralsund geforscht, seit 1996 gibt es erste Realisierungen. Im November werden in Stralsund beim inzwischen 26. Energie- Symposium die neuesten Ergebnisse vorgestellt. Die Konsequenzen dieser Technologie, grünen Wasserstoff als gespeicherten Strom, sauberen Kraftstoff und CO2-frei erzeugten chemischen Rohstoff vorzuhalten, sind nahezu unübersehbar. Eine erfolgreiche Energiewende sowie nachhaltige Produktionen sind ohne sie undenkbar. Einen Eindruck davon bekamen die Teilnehmer dieser Windrad-Geburtstagsfeier in Wustrow vermittelt, die in der Diskussion ausführliche Antworten auf ihre Fragen bekamen. Es war ein zweistündiges Symposium, herzlichen Dank! Dr. H.Seibt
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